Was ist ETS6? Die KNX-Software verständlich erklärt
Wer sich mit KNX beschäftigt, stößt unweigerlich auf eine Abkürzung: ETS. Dahinter verbirgt sich die Software, mit der jede KNX-Anlage geplant und programmiert wird – herstellerübergreifend und standardisiert. Die aktuelle Version trägt den Namenszusatz 6. Dieser Artikel erklärt, welche Rolle das Werkzeug im Projekt spielt, was es konkret tut und warum eine einzige Datei dabei wichtiger ist als die ganze Software.
Die Rolle der Software im KNX-Projekt
KNX-Geräte sind von Haus aus neutrale Bausteine: ein Taster, ein Aktor, ein Sensor – mehr nicht. Ihre Intelligenz erhalten sie erst durch die Konfiguration. Genau hier setzt die ETS an: Sie ist das gemeinsame Werkzeug, mit dem alle Geräte einer Anlage – unabhängig vom Hersteller – eingerichtet und zu einem System verbunden werden. Ohne sie bleibt eine KNX-Installation eine Ansammlung einzelner Komponenten; mit ihr wird daraus eine funktionierende Anlage.
Was die Software konkret tut
Die Aufgaben lassen sich in drei Bereiche gliedern:
- Struktur anlegen: Gebäude, Räume und Funktionen werden als Projekt angelegt – das Rückgrat der gesamten Anlage.
- Geräte einrichten: Jedes Gerät erhält seine Adresse und seine Aufgabe – was es sendet, was es empfängt und wie es reagiert.
- Verbindungen herstellen: Über sogenannte Gruppenadressen werden Taster, Sensoren und Aktoren logisch verknüpft – so wird aus „Taster gedrückt" ein „Licht schaltet".
Am Ende steht die Inbetriebnahme: Die fertige Konfiguration wird auf die Geräte übertragen und anschließend geprüft. Auch spätere Änderungen laufen wieder über denselben Weg.
Die Projektdatei: die Lebensversicherung der Anlage
Das wichtigste Arbeitsergebnis ist nicht die installierte Software, sondern die Projektdatei, die dabei entsteht. Sie enthält die komplette Logik der Anlage: Struktur, Adressen, Verknüpfungen und Geräteeinstellungen. Wer diese Datei besitzt, kann die Anlage jederzeit erweitern, umkonfigurieren oder von einem anderen Fachbetrieb weiterbetreiben lassen. Wer sie nicht hat, ist im Schadensfall oder bei Erweiterungen auf sich gestellt – die Logik müsste mühsam neu erarbeitet werden. Deshalb gilt: Die Übergabe der Projektdatei gehört zu jeder seriösen KNX-Installation dazu.
Versionen und Lizenzen grob eingeordnet
Die Software ist in mehreren Ausbaustufen erhältlich – von einer eingeschränkten Demo-Variante über eine kleinere Lizenz für einfache Projekte bis zur Vollversion, die für größere Anlagen benötigt wird. Für Hausbesitzer ist das in der Praxis zweitrangig: Sie kaufen keine Software, sondern eine fertig programmierte Anlage samt Projektdatei. Relevant werden die Lizenzstufen erst, wenn man selbst projektieren möchte – etwa als Elektrofachkraft.
Selbst machen oder Profis beauftragen?
Die Software lässt sich erlernen – es gibt Schulungen und eine Community. Für einzelne kleine Projekte von technisch versierten Nutzern ist das machbar. Für eine vollständige Hausinstallation gilt dagegen die klare Empfehlung: Die Programmierung gehört in fachkundige Hände. Der Grund ist weniger die Bedienung als die Struktur: Eine durchdachte Adressplanung und saubere Dokumentation entscheiden darüber, ob die Anlage in fünf Jahren noch erweiterbar ist oder zur Sackgasse wird. Wer die Grundlagen der Anlage verstehen will, findet sie in unserem KNX-Überblick; wer die Rolle der Person dahinter kennen möchte, in unserem Beitrag zum Berufsbild des KNX-Programmierers. Unsere Umsetzung finden Sie unter Smart-Home-Systemen.
Häufige Fragen
Ist die Software kostenlos?
Es gibt eine kostenlose Demo-Variante zum Kennenlernen – mit deutlichen Einschränkungen. Wer ernsthaft projektieren will, benötigt eine Lizenz, deren Preis von der Ausbaustufe abhängt. Für Anlagenbesitzer stellt sich die Frage meist nicht: Die Software ist Werkzeug des Programmierers, nicht des Kunden.
Kann ich die Programmierung selbst lernen?
Grundsätzlich ja – die Einarbeitung ist aber nicht trivial. Für kleine Einzelprojekte mit klarem Umfang ist das ein realistischer Weg; für die komplette Hausinstallation raten wir davon ab. Der Unterschied liegt in der Struktur: Wer Adressplanung und Dokumentation nicht beherrscht, baut sich eine Anlage, die später schwer erweiterbar ist.
Was passiert ohne Projektdatei?
Dann fehlt der Bauplan der Anlage: Erweiterungen, Umkonfigurationen oder die Fehlersuche werden erheblich schwieriger, weil die Logik nicht dokumentiert ist. Im ungünstigsten Fall muss die gesamte Konfiguration neu erstellt werden. Die Projektdatei ist damit das wichtigste Übergabedokument – bestehen Sie darauf.
Läuft die Software auch auf dem Mac?
Die Software ist für Windows konzipiert. Auf anderen Betriebssystemen ist sie nur über Umwege wie eine virtuelle Maschine nutzbar – praktikabel für Lernzwecke, aber kein Standard-Szenario. Für die meisten Anwender ist das jedoch irrelevant, da die Programmierung ohnehin der Fachbetrieb übernimmt.





